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Schweißermangel in Deutschland: 10 Wege, wie Automatisierung Fachkräfte gezielt entlastet (Teil 2)
Von Stefan Hauck

Stefan Hauck
Factory Solutions Marketing Manager
Panasonic Connect Europe
Der Fachkräftemangel im Schweißbereich ist längst keine vorübergehende Herausforderung mehr. Bereits heute fehlen in Deutschland mehrere Tausend qualifizierte Schweißer – mit spürbaren Auswirkungen auf Lieferzeiten, Produktionskapazitäten und Wettbewerbsfähigkeit. Im ersten Teil haben wir die Ursachen und Folgen dieses Engpasses beleuchtet. Doch wie können Unternehmen konkret reagieren?
Die Antwort liegt nicht darin, den Menschen zu ersetzen, sondern ihn gezielt zu entlasten. Moderne Automatisierungslösungen übernehmen monotone, körperlich belastende oder datenintensive Aufgaben und schaffen Freiräume für qualifizierte Fachkräfte. Schweißer können sich dadurch stärker auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren: Fachwissen, Qualitätsbewertung und Prozessverantwortung.
Im Folgenden zeigen wir die zehn wirksamsten Ansätze, mit denen Unternehmen dem Fachkräftemangel begegnen und ihre Schweißfertigung zukunftssicher aufstellen können.
Die zehn wirksamsten Ansätze zur Entlastung von Schweißern
1. Roboter übernehmen monotone Schweißnähte
Lange, gleichförmige Nähte an Behältern, Rahmen oder Trägern sind ideal für vollautomatisierte Roboterzellen. Sie liefern eine konstante Qualität ohne Ermüdungserscheinungen und entlasten Schweißer von repetitiven Bewegungen. Gleichzeitig steigt die Prozesssicherheit und die Produktivität lässt sich besser planen.
2. Kollaborative Roboter unterstützen bei wiederkehrenden Aufgaben
Cobots arbeiten ohne Schutzzaun direkt neben dem Menschen. Der Schweißer behält dabei die fachliche Kontrolle, während der Roboter Hilfsbewegungen, Heftarbeiten oder vorbereitende Tätigkeiten ausführt. So entsteht eine effiziente Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine.
3. Schweißpositionierer reduzieren körperliche Belastung
Drehtische und Schwenkvorrichtungen bringen Bauteile automatisch in die optimale Schweißposition. Dadurch entfallen viele belastende Körperhaltungen. Schweißer müssen weniger über Kopf oder in Zwangspositionen arbeiten, was Rücken, Schultern und Gelenke nachhaltig schont.
4. Exoskelette und Assistenzsysteme verbessern die Ergonomie
Aktive und passive Exoskelette unterstützen Arme und Rumpf insbesondere bei Überkopfarbeiten. In Verbindung mit automatisierten Schweißzellen entsteht ein ganzheitliches Ergonomiekonzept, das die körperliche Belastung reduziert und die langfristige Gesundheit der Mitarbeitenden schützt.
5. Sensorik und Vision-Systeme sichern die Nahtqualität
Laserscanner, Lichtbogensensoren und Kamerasysteme erfassen Spaltbreiten, Bauteiltoleranzen und Nahtverläufe in Echtzeit. Der Roboter kann seine Bahn automatisch anpassen und auf Abweichungen reagieren. Das Ergebnis: weniger Fehler und deutlich geringerer Nacharbeitsaufwand.
6. Digitale Prozessüberwachung senkt Fehler und Nacharbeit
Moderne Systeme wie iWNB von Panasonic Connect dokumentieren jeden Schweißvorgang lückenlos. Parameter wie Strom, Spannung, Drahtvorschub oder Gasfluss werden kontinuierlich überwacht und gespeichert. Abweichungen werden sofort sichtbar und können frühzeitig korrigiert werden.
7. Materialhandling und Zuführung automatisieren
Vom automatischen Drahtwechsel über die Bauteilzuführung bis hin zur Entnahme fertiger Komponenten: Wenn Roboter und Handlingsysteme den Materialfluss übernehmen, gewinnen Schweißer wertvolle Zeit für ihre eigentlichen Kernaufgaben. Gleichzeitig werden Produktionsabläufe beschleunigt und standardisiert.
8. Programmierung und Offline-Teaching verkürzen Rüstzeiten
Mit moderner Offline-Programmiersoftware können neue Bauteile bereits am PC programmiert und simuliert werden, während die Produktion weiterläuft. Dadurch lassen sich Stillstandszeiten reduzieren und die vorhandenen Fachkräfte können ihre Zeit effizienter einsetzen.
9. KI-gestützte Qualitätskontrolle erkennt Abweichungen frühzeitig
Durch Machine-Learning-Modelle lassen sich Prozessdaten und Nahtbilder automatisch analysieren. Die Systeme erkennen Muster, identifizieren potenzielle Fehlerquellen und geben Optimierungsvorschläge. Probleme werden dadurch erkannt, bevor Ausschuss entsteht.
10. Mensch-Roboter-Zusammenarbeit macht Schweißen skalierbar
Der erfolgreichste Ansatz ist die Kombination aus menschlicher Expertise und automatisierter Präzision. Schweißer werden nicht ersetzt, sondern übernehmen die Rolle des Prozessverantwortlichen. Der Roboter fungiert als verlängerter Arm und ermöglicht eine deutliche Skalierung der Fertigungskapazitäten.
FAQs
Nach den zehn Ansätzen wird deutlich: Automatisierung ist kein einzelnes Werkzeug, sondern ein Zusammenspiel aus Robotik, Software, Sensorik und ergonomischen Hilfssystemen. Viele Unternehmen stellen sich dabei konkrete Fragen zur Wirtschaftlichkeit, Implementierung und den Auswirkungen auf bestehende Arbeitsplätze. Die folgenden Antworten greifen die häufigsten Fragestellungen aus der Praxis auf und zeigen, wie moderne Schweißautomation erfolgreich eingeführt werden kann.
Ersetzt ein Schweißroboter den Schweißfachmann vollständig?
Nein. Schweißroboter übernehmen vor allem repetitive, körperlich belastende und klar definierte Aufgaben. Sonderanfertigungen, Reparaturschweißen, Programmierung, Qualitätssicherung und Prozessoptimierung bleiben zentrale Aufgaben qualifizierter Fachkräfte. Gleichzeitig entstehen neue Rollen, beispielsweise als Roboterprogrammierer oder Verantwortlicher für automatisierte Schweißzellen.
Lohnt sich ein Schweißroboter auch bei kleinen Stückzahlen?
Ja, sofern die Bauteile für die Offline-Programmierung geeignet sind und eine ausreichende Wiederholbarkeit vorhanden ist. Moderne Systeme wie der TAWERS WG3 in Verbindung mit DTPS Offline-Teaching ermöglichen wirtschaftliche Automatisierungslösungen bereits bei Losgrößen von etwa 10 bis 20 Bauteilen. Entscheidend sind eine saubere Konstruktion und verfügbare CAD-Daten.
Welche Schulungen benötigen Schweißer für die Arbeit mit Robotern?
Zu den typischen Schulungsinhalten gehören Grundlagen der Roboterprogrammierung, die Bedienung der eingesetzten Software, Schweißparametrierung, Sensorintegration sowie Sicherheitsunterweisungen. Panasonic Connect bietet hierfür abgestufte Trainingsprogramme vom Bediener bis zum Experten. Die Grundqualifizierung dauert meist zwei bis vier Wochen, die vollständige Praxiserfahrung entwickelt sich über mehrere Monate.
Wie schnell amortisiert sich ein TAWERS Schweißsystem?
Die Amortisationszeit hängt von Faktoren wie Bauteilspektrum, Anlagenauslastung und Schichtmodell ab. In vielen Anwendungen liegt sie zwischen zwei und vier Jahren. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen reduzierte Nacharbeit, höhere Anlagenverfügbarkeit, geringerer Verbrauch von Schweißzusätzen und die effektivere Nutzung vorhandener Fachkräfte.
Welche Schweißverfahren unterstützen die TAWERS Systeme?
Die TAWERS-Produktfamilie unterstützt zahlreiche Lichtbogenschweißverfahren, darunter MAG-, MIG- und Pulsschweißen sowie Niedrigenergieverfahren für dünne Bleche und Tandemschweißen für hohe Auftragsraten. Die konkrete Auswahl hängt von der jeweiligen Systemkonfiguration und Stromquelle ab.
Wie integriert sich ein TAWERS Roboter in bestehende MES- und ERP-Systeme?
Die TAWERS-Systeme der aktuellen Generation verfügen über offene Schnittstellen für die Einbindung in bestehende Produktions- und Qualitätsmanagementsysteme. Über iWNB können Schweißdaten erfasst und an MES- und ERP-Lösungen übergeben werden. Unterstützt werden unter anderem Standards wie OPC UA, Ethernet/IP und Profinet für eine durchgängige Datenkette entlang des gesamten Fertigungsprozesses.
Was unterscheidet den WG4 vom WG3 in der Praxis?
Der WG4 arbeitet mit dem neuen G4 Controller, der eine höhere Rechenleistung, verbesserte Energieeffizienz und zusätzliche Schnittstellen bietet. Anwender profitieren von höheren Schweißgeschwindigkeiten, geringerem Energieverbrauch und einer vereinfachten Parametrierung. Der WG3 bleibt eine bewährte und wirtschaftliche Lösung, während der WG4 insbesondere für Smart-Factory-Umgebungen ausgelegt ist.
Kann ein Schweißroboter Aluminium und hochfeste Stähle gleichermaßen verarbeiten?
Ja. Die TAWERS Systeme sind für unterschiedliche Werkstoffe wie Stahl, Edelstahl, Aluminium und hochfeste Spezialstähle ausgelegt. Die Schweißstromquelle wird dabei an das jeweilige Materialspektrum angepasst. Für dünne Aluminiumbleche bieten Niedrigenergieverfahren wie der Cold Process besondere Vorteile, da sie Verzug reduzieren und die Bauteilqualität verbessern.
Fazit
Der Fachkräftemangel im Schweißbereich wird sich kurzfristig nicht auflösen. Unternehmen, die ihre Fertigung zukunftssicher gestalten möchten, müssen daher neue Wege gehen. Automatisierung bietet dabei eine wirkungsvolle Lösung, um vorhandene Fachkräfte zu entlasten, die Produktivität zu steigern und die Qualität dauerhaft abzusichern.
Der entscheidende Punkt: Moderne Schweißrobotik ersetzt den Menschen nicht. Vielmehr verschiebt sich die Rolle des Schweißers hin zum Prozessspezialisten, Qualitätsverantwortlichen und Anlagenführer. Wer frühzeitig in Automatisierung, digitale Prozesse und Qualifizierung investiert, kann dem Fachkräftemangel aktiv begegnen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit seiner Fertigung stärken.
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